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Flötenspieluhr des Mathias Siedle
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Nachdem schon ein herrliches Exemplar einer Spieluhr aus der Hand eines Cousins von Mathias, Aron Siedle, unser Museum schmückt, ist nun diese Spieluhr geradezu ein Höhepunkt, ein weiteres noch schöneres Werk unserer "Siedle´schen Uhrmacher". Zurecht dürfen wir uns gegenüber der "Uhrenstadt Furtwangen" "Uhrenort Gütenbach" nennen. Wir sind stolz auf die Arbeiten unserer Vorfahren und können diesen nun endlich unsere Hochachtung bekunden. Nur wenige Gemeinden sind wohl in der glücklichen Lage, bedingt durch den Wandel der Zeit, geschichtlich so wertvolle Exponate ihres Ortes in ihr vorhandenes Museum einverleiben zu können.

Flötenspieluhr Mathias Siedle (geboren am 21.02.1770, gestorben am 31.08.1846) war das sechste Kind des "Mathä Siedle" ins "Klausebure Hisli" in Neukirch. Sein Lehrherr war kein Geringerer als Andreas Dilger, bekannt als einer der ersten Spieluhrenmacher im Schwarzwald. Durch diesen kam Mathias Siedle nach Gütenbach. Er war wohl ein sehr unternehmungslustiger Mensch, denn er kaufte dem Breiteck-Bauer für die enorme Summe von 2000 Gulden Grund und Boden ab, zur Erstellung eines Hauses, dazu Wiesen, Wald und Feld. Darauf baute er 1803/04 auf dem schönsten Berghang von Gütenbach mit dem Namen "Ameisenbühl" sein Haus, heute immer noch nach Barnabas Faller "Beckenbass" genannt. Täglich, ja stündlich, konnte er nun auf seine Gütenbacher "herunterschauen".

Mathias Siedle war gelernter Uhrmacher und nannte sich erst ab 1804, gerade zu dem Zeitpunkt als er sein Haus baute, "Spieluhrenmacher". In der gesamten Literatur über die Schwarzwälder Uhren jeglicher Art, ist der Name Mathias Siedle geradezu ein Aushängeschild von Gütenbach, denn er war der Spieluhrenmacher im Schwarzwald überhaupt. Das bestätigt ein Abschnitt in "Adolf Kistners" Buch von 1927 "Die Schwarzwälder Uhr", unter dem Thema "Anfänge des Flötenuhrenbaus":

"Dieser feine musikalische Geschmack wäre aber für diese Spielwerke unerreichbar geblieben, hätte nicht die Kunst, die Noten auf die Walzen zu stechen und die Pfeifen so rein zu stimmen, an den Uhrenmachern Mathias Siedle in Gütenbach und Martin Blessing in Furtwangen zwei Männer gefunden, welchen den Vorteil erlauschten, das sanft schleichende der spielenden Finger in die Stifte und das melodische Hauchende der Flöte in die Pfeifen zu legen. Auch die mechanische Einrichtung ihrer Spielwerke wußten sie so zu vervollkommnen, daß das Geklapper der Tasten und das Unsichere des Taktes in ihren Arbeiten verschwand".

Jeder Spieluhrenhersteller schrieb die Melodien, welche auf den Stiftenwalzen angebracht sind, auf ein Seitentüchen. Bei dieser Uhr steht zum Beginn zu lesen: Andante: "Kennst du das Land, worin Washington lebte". Da Mathias Siedle auch nach Amerika geliefert hat, könnte man hier wieder annehmen, daß die Uhr aus Amerika zurückgekommen ist. Die Inschrift über dem Zifferblatt kann man als eine Widmung deuten, sie lautet: Pulanski bewilligt die Hand der Lodoiska an Lovziniski. Naheliegender kann jedoch der Text einen Bezug zu der darunter gemalten Szene auf einer Theaterbühne haben.

Nach dem Todesjahr von Mathias zu schließen, ist "unsere Uhr" mindestens 160 Jahre alt. Es ist für unser Museum, aber auch für die ganze Gemeinde ein großes Ereignis, nun zwei Spieluhren aus der Familie Siedle betrachten und bewundern zu können. Die Geschicklichkeit und das Talent zum Spieluhrenbau übertrug Mathias auf zwei seiner Söhne, nämlich auf Sohn Nikolaus (geboren 1818) und Sohn Mathias (geboren 1821). Beide wanderten 1848 miteinander als "Spieluhrenmacher" in die USA und hielten sich 1881 in Pittsburgh/Pennsylvania auf. Perinsylvanien wurde gerade in der Zeit der Auswanderungen auch "Klein-Deutschland" genannt. Nahezu alle Deutschen gingen dort an Land, um sich dann Arbeit in ihrem Beruf zu suchen. Mathias jun. muß sich später in Pittsburgh als Uhrenhändler betätigt haben. Der zweite Sohn Constantin und der dritte Aloys wanderten als Handelsmänner nach Mexiko aus und hielten sich in Vera Cruz auf. Aloys kehrte wieder zurück, Constantin verstarb vermutlich dort. Aloys Siedle baute übrigens in Gütenbach das "Schlössle". Ihm ist auch die "Siedle´sche Stiftung" zu verdanken, wodurch das spätere "Erholungsheim" zustande kam. Leider ist uns diese Familie Siedle und deren Geschichte durch den Wandel der Zeit verloren gegangen. Nun ist gerade ein Relikt aus dieser Familie in Form einer Spieluhr wieder in die Heimat zurückgekehrt.

Technische Daten der Flötenspieluhr:

  • vier bewegliche Figuren
  • 48 Pfeifen und zwei Register
  • acht Tage gehendes Uhrwerk
  • Alter der Uhr, ca. 160 Jahre

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