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Dorfmuseum
Rundgang
Kuckucksuhren
Spieluhren
Flötenspieluhr des Mathias Siedle
Allgemeines
Gütenbach
Sehenswürdigkeiten
Links

In einem kleinen Dorf auf den Höhen des Schwarzwaldes finden wir, fern von allem Trubel vielbesuchter Ortschaften in dieser Region, ein Museum, das für sich in Anspruch nehmen kann, in seiner Art einen eigenwilligen Charakter zu besitzen. Einige Schilder geben einen Hinweis auf das Gütenbacher Dorfmuseum, hoch droben bei der katholischen Kirche. Es ist untergebracht im ehemaligen Schulhaus. Es ist keine Ausstellung herkömmlicher Art, sondern die Exponate sind eingebettet in ein passendes Milieu. Dies veranschaulicht u.a. der Teil "Leben, Wohnen und Arbeiten der Gütenbacher", sprich Schwarzwälder Uhrmacher. Man fühlt sich förmlich hineingezogen in die Zeit vor und nach der Jahrhundertwende. Ein rühriger Heimat- und Geschichtsverein hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den Nachkommen in der Region, aber auch den kommenden Besuchern eindrucksvoll und realistisch das Leben ihrer Vorfahren darzustellen. Gütenbach im Schwarzwald war einst ein blühender Uhrmacherort. Das begann schon kurz nachdem die sogenannten Kreuzbrüder vom Glashof bei St. Märgen um 1630 die erste Holzräderuhr fertigten. Mit einfachen Mitteln und Handwerkszeug versuchte man, aus heimischem Holz Uhren herzustellen, jedoch relativ erfolglos.

Uhren Schließlich dauerte es dann mehrere Jahrzehnte bis sich die Tüftlerkunst der Schwarzwälder durchzusetzen begann. So auch in Gütenbach, wo einige Personen als Patriarchen der Schwarzwälder Uhrmacherei bezeichnet werden. In jeder einschlägigen Fachliteratur finden sich immer wieder Gütenbacher, die es verstanden haben, langsam und bedächtig, die Schwarzwalduhr zu verbessern, ja sie zu Ruhm zu bringen.

Schon um 1800 gab es in dem kleinen Gütenbach bei nur 800 Einwohnern nahezu einhundert Uhrmacher. Diese Zahl hielt sich nahezu über das gesamte neunzehnte Jahrhundert. Bis vor der Jahrhundertwende wurde in Gütenbach nahezu in jedem Haus Uhren oder Bestandteile für solche hergestellt. Die Gütenbacher Uhrmacher Uhrenkrätze gaben sich jedoch nicht damit zufrieden Uhren herzustellen und nur in der näheren Umgebung zu "verhandeln". Durch die steigende Anzahl von Uhrmacher machten sich gescheite Leute zu Händlern. So wurde in Gütenbach die erste sogenannte Uhrenhändlerkompanie gegründet. Leute wurden delegiert in den Ländern in Deutschland und im Ausland Uhren zu verkaufen. Kaum vorstellbar, wenn man an die bescheidenen Mittel von Transportmöglichkeiten denkt. Die volle "Uhrenkrätze" auf dem Buckel, war fast die einzige Möglichkeit, Schwarzwalduhren bis in den hintersten Winkel an den Mann zu bringen.

Als sich im Jahre 1984 in Gütenbach ein Heimat- und Geschichtsverein gründete, stand im Vordergrund, "noch zu retten was zu retten war". Gemeint waren Exponate aus der Zeit wo man über ein Jahrhundert lang in Handarbeit Tausende von Uhren herstellte, und diese in alle Welt verkaufte. Ohne jegliche Unterstützung seitens der Öffentlichkeit, haben fleißige Hände ein Werk geschaffen, daß dem Betrachter einen tiefen Einblick in die schwarzwälder Uhrmacherei gibt.

So zieht sich nun in dem Gütenbacher Dorfmuseum die Uhr "wie ein roter Faden" durch die ganze Ausstellung. Außer seltenen Exponaten, wie einige in Gütenbach hergestellten Uhren, ist eine "Spieluhr" zu sehen, die ebenfalls um 1830 dort hergestellt wurde. Spieluhr Über die Spielwalze kann eine solche Spieluhr bis zu acht verschiedene Melodien erzeugen. Es sind kleine Wunderwerke schwarzwälder Uhrmacherkunst, die dem Ort ebenfalls zu Weltruhm verholfen haben. Nach über zweihundert Jahren, oft wilder Vergangenheit, haben viele dieser Uhren alle Stürme überlebt, und kommen über seltsame Wege wieder zurück in die Heimat ihrer Erzeugung. Es ist ein seltsames Erleben, Schwarzwalduhren in der Hand zu haben, die, besonders in Frankreich, Generationen die Zeit vermittelt hat und heute vielen Besuchern zur Freude, hoffentlich für weitere hunderte von Jahren im Dorfmuseum in Gütenbach ihren letzten Platz gefunden haben. Eine Ortsgeschichte wie man sie wohl selten in dieser Form Besuchern vorzeigen kann.

Uhrmacherwerkstatt Außer einer Schlafstube und einer Rauchküche hat man eine Uhrmacherwerkstatt naturgetreu und lebensnah nachgebaut, die zugleich auch als Wohnstube benützt wurde. Nichts fehlt in dieser Vielfalt von "noch" vorhandenen Maschinen und Handwerkszeug aus ureigensten Gütenbacher Werkstätten. Dabei strahlen ein Kachelofen mit der darum befindlichen Sitzbank, ein altes Spinnrad, und der "Herrgottswinkel" eine Atmosphäre aus, die keiner besonderen Erklärung bedarf.

Um bei der Schwarzwalduhr zu bleiben, kann das Gütenbacher Dorfmuseum wohl eine der größten Sammlung von "historischen Kuckuckusuhren" vorweisen. Einmalig zu sehen, welch künstlerische Werke seinerzeit die schwarzwälder Schnitzer vollbrachten, und dazu beigetragen haben, ein Ruhmesblatt der Geschichte in die Welt zu setzen, die "Schwarzwälder Kuckuckusuhr".

Alles drehte sich in Gütenbach "um die Uhr", so auch die um 1884 beginnende Industrialisierung der Uhrmacherei. Von den Gründern dieser Industrie, wie auch von denen zum Teil jetzt noch vorhandenen Fabriken, ist im Museum alles dokumentiert. Umsichtige Leute haben auch aus der Zeit der Industrie weitere wertvolle Exponate erhalten und sie dem Dorfmuseum zur Verfügung gestellt. Bis 1929/30 konnte Gütenbach auf eine blühende Industrie blicken. Das Dorf hatte zwischenzeitlich 1400-1500 Einwohner. Es waren noch zwei Uhrenfabriken, vordem drei, die bis zum zweiten Weltkrieg Uhren produzierten. Langsam kam nach dem Krieg das Geschäft wieder in Gang. So mancher Gütenbacher Bürger konnte sich mit dem Tauschhandel von Lebensmittel gegen Uhren über Wasser halten.

Außer dem Namen "Faller", der in Gütenbach viel bewegt hat, war der Name "Furtwängler" ein ebenso großes Markenzeichen der Uhrmacherzunft. Großväter und Onkel des berühmten Dirigenten "Wilhelm Furtwängler" haben in Gütenbach gelebt und gewirkt. Das anschaulichste und imposanteste Exponat im Dorfmuseum ist die von Philipp Furtwängler 1886 erstellte Kirchturmuhr für seine Heimatkirche in Gütenbach. Philipp Furtwängler zog es auf seiner Wanderschaft als Uhrmachergeselle nach Elze bei Hannover. Dort wirkte er zuerst als Hersteller von Kirchturmuhren und bildete sich später als ein berühmter Orgelbauer aus. Über zweihundert Werke seiner Orgelbaukunst sind im Norden von Deutschland in verschiedenen Kirchen und Münstern zu finden. Nach dem Abriß der katholischen Kirche 1963 geriet das Furtwänglersche Uhrwerk in Vergessenheit, bis es schließlich über den Heimat- und Geschichtsverein wieder einen ehrenvollen Platz im Dorfmuseum einnehmen durfte.

Gütenbachs Geschichte wurde nach dem Niedergang der Uhrenindustrie nach dem zweiten Weltkrieg von zwei Männern neu geschrieben. Die Brüder Hermann und Edwin Faller gründeten in der Nachkriegszeit mit primitivsten Mitteln eine Spielwarenfabrik. Wohl einmalig sind deshalb im Museum Exponate aus der Gründerzeit dieser Firma zu sehen. Im Jahre 1946 begannen sie in Kellerräumen einfaches Spielzeug aus Holz und Pappe herzustellen und brachten es schließlich unter dem Namen "Spielwarenfabrik Gebrüder Faller" in den 70er Jahren zu hohem Ansehen auf dem Weltmarkt.

Mit Haarkämmen aus Holz, Baukästen aus bedruckten Elementen, Modellhäuser für die Modelleisenbahn, hin bis zur ersten Wasser- und Windmühle, die in Handarbeit hergestellt wurden, beginnt dieser Teil der Ausstellung. Tannen- und Laubbäume aus gefärbtem Sägemehl geben ein eindrucksvolles Bild, über die Tüftlerkunst der Gründer Hermann und Edwin Faller. Als erster Hersteller in Deutschland, begann mit der Erfindung von Bausätzen aus Kunststoffteilen der gigantische Aufstieg in den Welthandel. Generationen werden sich an diesen Anfangsprodukten einer weltbekannten Firma noch erfreuen können.

gute Stube Eine "gute Stube", altes Werkzeug aus der Uhrenkasten-Schreinerei, eine Schuhmacherwerkstatt aus Großvaters Zeiten, sowie eine Sammlung von Rundfunkgeräten ab den dreißiger Jahren, beenden den Rundgang durch ein Museum, für das man trotz seiner Niedlichkeit, etwas Zeit mitbringen sollte.


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